Schreibmässig aufgenommen am 18. Oktober 2012:

Heute hatte ich die Ehre Jürgen Vogel, einen, wenn nicht den deutschen Schauspieler der ersten Güte für eine Verlag aus Bielefeld abfotografieren zu dürfen.
Ich bekam vor knapp 3 Wochen den Auftrag und habe auch ab dem Tag auf den heutigen Abend hingefiebert. Ich meine, wann sieht man Jürgen Vogel mal in Live?

Nun gut, ich kannte ihn primär durch „Schillerstraße“ und „Die Welle“. Seinen neuen Film „Gnade“ hatte ich nur durch entsprechendes Pressematerial gekannt.
Ich habe ihn mir eigentlich recht entspannt aber dennoch ernst und mit gewissen hektischen Zügen vorgestellt. Ich durfte mich des besseres belehren lassen. Dazu später mehr.

Am 18. Oktober 2012 war es nun soweit. Gegen 17h bin ich los, schnell noch was essen. Um 18h ging es dann mit Sack und Pack Richtung Lichtwerk Bielefeld. Man stelle sich das wie ein „Underground Kino“ vor, eins, wo der rote Teppich fehlt, eins wo nur ausgewählte, meistens provokante, weniger „Mainstream“-Filme laufen. Quasi die Nischenfilme die in großen Kinos meist nicht laufen. Ich kam da an und draußen standen etwa 70 Leute. Alle quer bunt gemischt, mit Bier und Wein, mit Zigarette und Zigarillo. Nun komme ich dazu und dachte mir, ok, Herr Vogel wird schon irgendwo drin sein.

Dann sehe ich ihn, entspannt draußen, zwischen den Personen. Redet gerade mit einem Kinderradio. Sehr angenehm.

Ich zische nach innen, lege meine Sachen nieder und gehe wieder raus. Weiß nun nicht so recht, wie ich ihm gegenüber sein soll.
Soll ich ihn direkt ansprechen oder warten bis er mich anspricht? Gehe ich zuerst privat oder doch beruflich hin? Autogramm oder Foto?

Ich entscheide mich für privat – hole mir ein Foto von ihm und poste es direkt bei Facebook. „Kommentar: Der König .. und Jürgen :D“. Es bekommt später mehr als genug Klicks.

 

Dann geht alles ganz schnell. Alle Zuschauer rein. Jürgen und der Regisseur Matthias Glasner sind auf den Weg ins Kino. Die Zuschauer nehmen ihre Plätze ein und Jürgen erklärt kurz, wieso er in Bielefeld ist und wieso gerade Bielefeld ein Ort ist, wo er den Film so präsentieren möchte, so wie er es präsentiert. Dann geht er aus dem Kinosaal, ins Foyer, wo wir uns sammeln.

Wir, Journalisten, Fotografen, Radiologen 😀 , und alle anderen warten.

Wir setzen uns an einen Tisch, es gibt Orangensaft. Jürgen haut sich ein Glas direkt weg: „Ich habe Durst“. Dann kommt auch schon der Bar-Mann und bringt frisch Bionade. Wohl zu spät. Sie bleibt bis zum Ende d draußen. Insgesamt 6 Leute. Überschaubar also.

Nun gehts los. Es ist mittlerweile 18.40h. Ich wäre eigentlich laut Programmplan schon dran gewesen mit meinem „Fragen / Foto – Part“, war ich aber nicht. Der Kollege von Radio Bielefeld fängt an – beginnt mit seinem Interview und kramt noch seine Fragen aus dem Rucksack. Ich nutze die kurze Pause und sage, dass ich eigentlich

dran wäre und dass das Bild schon sehr wichtig ist – schnappe mir Jürgen und gehe mit ihm Richtung Plakat 🙂 Meine Chance: „Und? Schon mal in Bielefeld und hier im Lichtwerk gewesen?“ „Nee, bisher noch nicht. Sind eben auch erst angekommen. Aber schön hier“. „Sind Sie gar nicht nervös oder angespannt? Sie wirken so unheimlich gelassen, oder täuscht das?““Wieso sollte ich nervös sein? Es läuft doch alles ruhig und entspannt ab hier.“

Nach 5 Minuten Fotos machen geht’s zurück zum Tisch. Wir quatschen. Erst alle durcheinander, dann etwas konzentrierter. Radio Bielefeld fragt ihn vieles. Er beantwortet brav die Fragen. Danach ist ein weiterer Kollege dran. Er stellt viele Fragen, die wenig zum Thema „Film“ zutun haben. Ich feier alleine schon die Tatsache, dass ich gerade mit Jürgen Vogel chille. Voll gut. Ich mache einige Fotos, schreibe meine Kollegen an.

Dann ist die Dame neben mir dran. Sie stellt coole Fragen. Jürgen wirkt sehr nachdenklich. Wenn man meint, er sei auf Grund seiner Schauspielerei etwas „schlicht“ so ist das definitiv gelogen. Er ist philosophisch, nachdenklich, emotional und einfach nur menschlich. Er erklärt, dass er es nicht verstehe, wieso draußen ihn so viele feiern. Er spielt den

Menschen was vor. Wenn auch gut 🙂 Ebenso gibt es viel mehr Menschen, die wichtigeres tun als er. Jürgen wird von Minute zu Minute sympatischer.

Außerdem fände er es schon sehr mühsam, dass er jeden Tag Schuldgefühle hat. Sei es das Telefonat, was man gerade nicht erreicht hat, weil man im Badezimmer war, oder der Fan, der genau dann kam, wo man eben gerade keine Zeit mehr hatte. Alles sei eine Frage des Schuldgefühls. Je nachdem wie man damit umgeht, geht es gut oder nicht.

Nach 20 Minuten coolem Talk durfte ich nun meinen Talk machen. Allerdings war das schon fast eher privater Natur.

Als das alles vorbei war, sind wir (Jürgen, Regisseur, ich) Richtung Auto. Auf dem Weg haben wir noch ein wenig über das Essen im Restaurant geplaudert. Dann verschwand er in der Nacht.
Ich war ein wenig aufgedreht und machte mich dann Richtung Heimat.

Fazit eines tollen Abends voller Lachen und Energie:

Ein Typ, den es sich lohnt zu feiern!! Definitiv 🙂 So bodenständig und so nett – so geduldig und, obwohl ihm diese Pressearbeit, laut eigener Aussage nicht besonders liegt, ist er ein echt cooler und sehr syphatischer Typ. Ich hoffe ich habe bald wieder Gelegenheit mit ihm zu arbeiten!!

Peace!

EDIT:  Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, diesen Artikel auch an Jürgen selbst zu senden. Er antwortete entsprechend 🙂